THEMEN // ISSUES

Toxisch: Freiwillige?[Selbst]Vergiftung

Jahrhundertelang hielten Hutmacher Quecksilber für harmlos – bis ihre Hände zitterten und ihr Verstand zerbrach.
Radium-Malerinnen leckten strahlende Pinsel ab, weil niemand ihnen sagte, dass ihr Leuchten sie umbringen würde.
Asbest galt als Wundermaterial, während Arbeiter still an Lungenkrebs starben.

Was uns heute unfassbar erscheint, war damals Alltag:
Menschen vergifteten sich [für… | ihren Lebensunterhalt], ohne es zu wissen.

Doch die Geschichte ist nicht vorbei.

Während wir über die Ignoranz vergangener Epochen den Kopf schütteln, arbeiten Millionen heute in prekären Jobs, die sie psychisch zerbrechen lassen, in Lagerhallen, die ihre Körper ruinieren, unter Bedingungen, die als „normal“ gelten.

Die Frage ist nicht, ob künftige Generationen entsetzt auf unsere Arbeitswelt blicken werden – sondern worüber genau.

Welche heutigen „Normalitäten“ werden in hundert Jahren als barbarisch und “dumm” gelten?

g: “Toxische Positivität ist auch nur eine Form von Vergiftung”

Was vergiftet uns gerade, während wir es noch nicht sehen?



Ist Toxische Positivität, wenn Pessimisten “Blumen” reden und Realisten Schurken genannt werden?

Toxische Positivität ist, wenn nur noch eine Erzählung erlaubt ist – und zwar die aufwärtsgerichtete. Konkret heisst das:
Pessimisten werden zum Schweigen gebracht (“Du bist so negativ!”)
Realisten werden als Spielverderber geframed (“Warum musst du immer alles zerreden?”)
Unbequeme Wahrheiten gelten als Angriff auf die “gute Stimmung”

Das eigentliche Problem:

Toxische Positivität verwechselt Gefühlsmanagement mit Realitätsmanagement. Sie behandelt negative Emotionen oder kritische Perspektiven als Problem, das eliminiert werden muss – statt als Information, die berücksichtigt werden sollte.

In Ihrem Dreiklang übersetzt:

Toxische Positivität:
Macht den Optimisten zum Tyrannen
Degradiert den Realisten zum Defätisten [jemand, der mut- und hoffnungslos ist und die eigene Sache für aussichtslos hält]
Pathologisiert den Pessimisten

Gesunde Balance:
Optimismus darf inspirieren, aber nicht zensieren
Realismus darf korrigieren, ohne zu demoralisieren
Pessimismus darf warnen, ohne zu lähmen

Die Blumen-Metapher ist treffend:

Wenn Pessimisten gezwungen werden, “Blumen zu reden”, verlieren wir das Frühwarnsystem. Dann übersehen wir Risiken nicht aus Unwissenheit, sondern aus sozialem Konformitätsdruck.

Im Gesundheitskontext besonders gefährlich:

“Denk positiv, dann heilt der Krebs!” ist toxische Positivität. “Deine Prognose ist schwierig, aber diese Optionen haben wir” ist Realismus mit Würde.

Kurz: Toxische Positivität ist emotionale Autokratie in freundlichem Gewand.



Der gute Mensch ist das Problem in einem toxischen System. 

Eine provokante These – und eine, die tatsächlich systemische Dynamiken offenlegt.

Warum der “gute Mensch” zum Problem werden kann:

1. Stabilisierung durch Kompensation Der gute Mensch federt die Dysfunktion ab:
Übernimmt, was das System nicht leistet
Gleicht aus, was andere sabotieren
Macht das Untragbare erträglich

Resultat: Das toxische System muss sich nicht ändern, weil die Symptome unsichtbar bleiben.

2. Normalisierung des Abnormalen “Schau, es funktioniert doch!” – Ja, aber nur weil sich jemand aufopfert. Das System erscheint funktional, obwohl es parasitär ist.

3. Bestrafung für Integrität In toxischen Systemen wird oft bestraft, was gesund wäre:
Grenzen setzen → “unkollegial”
Missstände benennen → “negativ”
Sich schützen → “egoistisch”

Der “gute Mensch” hält die Regeln ein, die ihn ausbeuten.

In Ihrem Dreiklang:

Optimist im toxischen System: “Ich kann’s besser machen, dann wird’s besser!” → Wird zum Puffer, der Druck absorbiert

Realist im toxischen System: “Das ist nicht nachhaltig.” → Wird ignoriert oder isoliert

Pessimist im toxischen System: “Das endet schlecht.” → Wird als toxisch gebrandmarkt (Ironie!)

Die zynische Wahrheit:

Toxische Systeme brauchen gute Menschen – nicht trotz, sondern wegen ihrer Gutheit.
Sie sind:
Leicht auszubeuten (wollen helfen)
Schwer zu verlieren (fühlen sich verantwortlich)
Ideal als Sündenböcke (“Hättest du dich mehr angestrengt…”)

Der Ausweg – und hier wird’s komplex:

Falsche Lösung: “Sei kein guter Mensch mehr.”
[denn dann wird man Teil des Problems; und hast dich selbst verloren, nicht das System besiegt.]

Richtige Lösung: “Sei ein guter Mensch mit Grenzen.”
[Dazu muss man jedoch das System bzw. die Spielregeln verstehen, nicht nur ertragen.]

Das bedeutet:
Toxizität benennen [Realist]
Ausstiegsszenarien durchdenken [Pessimist]
An Veränderbarkeit glauben, aber nicht auf Kosten der eigenen Gesundheit [Optimist mit epistemischem Realitätscheck]

Die paradoxe Pflicht:

In toxischen Systemen ist es manchmal die moralische Pflicht, nicht mehr gut zu funktionieren – weil man sonst das System mitträgt, das andere schädigt.

Epigenetisch betrachtet: Chronischer Stress in toxischen Systemen hinterlässt messbare Spuren (Cortisol-Dysregulation, Telomerverkürzung, Inflammationsmarker). Der “gute Mensch” zahlt biologisch für die Systemdysfunktion.

Ihre These ist also präziser formuliert:

“Der gute Mensch ohne Grenzen ist der Komplize eines toxischen Systems – gegen seine eigene Intention.”



g: Ist dein Glaube an Veränderung Hoffnung oder Selbstbetrug?

g: Wer zahlt die Rechnung für deinen Optimismus?

g: Wie viel Gesundheit kostet deine Vision?

Angebote // Coaching