THEMEN // ISSUES

Skrupel[los]: Gewissen bis gewissenlos

Das menschliche Gewissen bewegt sich auf einem breiten Spektrum – vom äußerst sensiblen Pol extremer moralischer Gewissenhaftigkeit bis hin zum entgegengesetzten Pol nahezu völliger Gewissenlosigkeit und Skrupellosigkeit.

g: “Immer Schuldgefühle, gesund oder null Reue?”

g: “Zu viel Gewissen, Balance oder gewissenlos?”

g: “Immer Angst falsch zu sein, mutig oder egal was richtig ist?”

Am einen Ende steht die Übermoral (pathologische Über-Ich-Herrschaft, moralische Hypervigilanz oder Scrupulosity): Hier nimmt das Gewissen jede noch so kleine Nuance wahr, jede mögliche Verletzung, jede potenzielle Schuld. Es entsteht ein permanenter innerer Gerichtshof, der mit Schuldgefühlen, moralischer Angst (moral anxiety), Zweifeln und lähmender Überforderung reagiert. Jede Entscheidung wird zur existenziellen Prüfung – der Mensch erstarrt in moralischem Stillstand, weil Handeln fast immer mit dem Risiko moralischen Versagens verbunden scheint.

Ontologisch gesprochen: Das Sein wird zur permanenten Bedrohung durch das eigene moralische Versagen.

g: “Opferst du dich, lebst du – oder opferst du andere?”

g: “Immer Schuldgefühle, gesund oder nie welche?”

g: “Zu weich, stark oder brutal und eiskalt?”

Am anderen Ende herrscht die Skrupellosigkeit (Gewissenlosigkeit, psychopathy-nahe Hemmungslosigkeit): Hier fehlt fast jede innere Instanz, die bremsen, reflektieren oder mitleiden würde. Lügen, Nutzen, Schädigen, Ausbeuten – alles geschieht ohne innere Reibung, ohne Abwägen, ohne Nachhall von Schuld. Das macht Handeln leicht, schnell, effizientzumindest kurzfristig.

Ontologisch betrachtet: Das eigene Sein und das Sein des anderen werden zu bloßen Mitteln, zu Objekten im Dienst des unmittelbaren Vorteils; echte Begegnung und Mit-Sein werden systematisch ausgeschaltet.

g: “Zu viel Herz, genug oder gar keins?”

g: “Angst immer falsch zu sein, gesund oder egal?”

g: “Denkst du dich tot, bist du reflektiert oder denkst du gar nichts?”

Beide Extreme sind pathologisch und selbstzerstörerischnur auf unterschiedliche Weise. Die Übermoral lähmt das Leben durch innere Terrorisierung und verhindert authentisches Handeln. Die Skrupellosigkeit zerstört Beziehungen, Vertrauen und langfristig auch das eigene Selbstwertgefühl sowie die Fähigkeit zu echter Bindung – sie erzeugt ein inneres Vakuum, das mit äußerem Erfolg nicht gefüllt werden kann.

g: “Ständig sorry, echt oder nie sorry?”

g: “Blockiert von Moral, frei oder moralisch taub?”

g: “Ja-Sager, Mensch oder Ausnutzer?”

Der gesunde Mensch bewegt sich dazwischen: mit einem lebendigen, aber nicht tyrannischen Gewissen, das sensibel bleibt, ohne zu lähmen – und das Grenzen setzt, ohne Empathie und Verantwortung auszulöschen. Die Kunst liegt darin, weder zum Gefangenen des eigenen Über-Ichs noch zum Raubtier ohne Gewissen zu werden. Beides vergiftetdas eine das eigene Innere, das andere die gemeinsame Welt.

g: “Zu nett, normal oder eiskalt?”

g: “Alles erlaubt, fair oder grenzenlos?”

g: „Gewissen quält – Gewissen leitet – Gewissenlos siegt nur kurz.“

 


Das Spektrum als Kompass, nicht als Kerker

Gut wird Gift, wenn es überdosiert wird.
Freiheit wird Gift, wenn sie alles verschlingt.

Das Ziel ist nicht pure Reinheit.
Das Ziel ist tragfähiges Handeln im echten Leben.

g: „Perfektion ist schön – solange niemand danach leben muss.”

Das Ziel ist Balance.

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