THEMEN // ISSUES
Auto-Cannibalismus ist eine treffende Metapher für die dunkle Seite der modernen Aufmerksamkeits- und Identitätsökonomie. Sie beschreibt, wie Narrative und Systeme Probleme erzeugen – und gleichzeitig die „Lösungen“ dafür liefern –, wodurch sich schädliche Rückkopplungsschleifen verstärken. Gute Absichten wie Empowerment, Body Positivity, Selbstoptimierung oder radikale Individualität wirken dabei oft kontraproduktiv: Sie führen zu Überforderung, Körperdysmorphie, Beziehungsproblemen, „sinkende Fruchtbarkeit” über die Entscheidungs-Studien klar absicherbar, Einsamkeit und Realitätsverlust. Gleichzeitig wird das eigene Scheitern externalisiert und jede Kritik als existenzieller Angriff abgewehrt.
Das Phänomen ist real. Es zeigt sich in geschlossenen Milieus, in denen das Narrativ wichtiger wird als die Realität. Die Wut auf abweichende Beobachtungen ist dabei ein klares Signal: Sie schützt vor dem Zusammenbruch des eigenen Selbstbildes (Change-Blindness).
g: “Nicht die Wut, sondern chronische, ungeklärte Aktivierung schadet.?!”
Die Lüge ist nicht mehr nur Behauptung – sie ist zur Identität geworden. Wichtig: Das ist kein schicksalhafter Untergang und kein reines Geschlechterphänomen. Es betrifft Männer und Frauen, progressive wie konservative Kreise. Die treibenden Kräfte sind strukturell:
⬢ permanente digitale Vergleichbarkeit
⬢ algorithmische Verstärkung emotionaler Inhalte
⬢ Aufmerksamkeit als zentrale Währung
⬢ Verschmelzung von Identität und öffentlicher Performance
Die Lösung liegt nicht in Moralpredigten oder Gegen-Ideologien. Sie liegt in besseren Korrekturmechanismen:
⬡ Mehr direkten Realitätskontakt (Offline-Leben, langfristige Konsequenzen bewusst machen)
⬡ Weniger geschlossene Loops (bewusste Vielfalt an Perspektiven suchen)
⬡ Stärkere individuelle Agency (Entscheidungen an realen Ergebnissen statt an Likes und Narrativen ausrichten)
Auto-Cannibalismus ist kein unvermeidliches Schicksal der Moderne. Er ist eine Dynamik, die man erkennen – und bewusst unterbrechen kann. Wer aus dem Kreislauf aussteigt, gewinnt nicht nur Klarheit, sondern oft auch Lebensqualität zurück.
Menschen „fressen sich nicht durch Wut selbst auf“, sondern durch nicht aufgelöste emotionale Zustände, die permanent weiter verstärkt werden.
g: „Die große Selbstzerfleischung – wenn die Lüge zur Identität wird.?!“
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